
Gastautorin Veronika Strittmatter-Haubold
Heute kommt eine sehr geschätzte Gastautorin zu Wort. Meine Kollegin in der Geschäftsleitung der Akademie denkt nach über die Zukunft der Weiterbildung. Ihre These: Die Weiterbildungsverantwortlichen an den Hochschulen können eine inspirierende Kraft für die Erneuerung der Institution von innen heraus sein.
1. Wie sind Sie Wissenschaftsmanagerin geworden?
Durch eine Kombination aus Neigung, Bedarf und Gelegenheit. Als ich im Arbeitsfeld Weiterbildung der Pädagogischen Hochschule Heidelberg mitzuwirken begann, standen noch fast ausschließlich die Fachinhalte im Zentrum. Über passende Vermittlungsformen und geeignete Lernumgebungen machten sich damals vor zwanzig Jahren erst wenige Leute Gedanken. Die Bildungsangebote der Disziplinen waren abgesteckt, ebenso die Adressatenkreise.
Meine Hauptaufgabe bestand damals darin, die Weiterbildung anbietenden Hochschulehrenden konzeptionell und koordinierend zu unterstützen; und natürlich wollte ich wissen, wie diese Angebote bei den Teilnehmenden ankamen und welche anderen Lerninteressen sie noch hatten. Die Erkundungen führten mich zu der Erkenntnis, dass die Teilnehmenden Anliegen hatten, die oftmals in unseren Weiterbildungen nicht bearbeitet wurden. Es zeichnete sich ab, dass das traditionelle Paradigma der Angebotsorientierung zugunsten der Nachfrageorientierung ausgedient hatte.
So fand ich mich auf Neuland wieder, das es zu erkunden und zu gestalten galt. Die Pädagogische Hochschule öffnete sich. Plötzlich ging es darum, Lernbedürfnisse und –erfordernisse von unterschiedlichen Zielgruppen zu erforschen, um sodann anschlussfähige Weiterbildungen zu entwerfen. Die Konzepte mussten zu den rasch sich verändernden und zunehmend komplexer werdenden beruflichen Anforderungen der Teilnehmenden passen. Unser Team hatte zum Glück einen großen Gestaltungsspielraum, wir konnten lernen, wie Schlüsselqualifikationen mit fachlichem Lernen verbunden und wie Strukturen und Prozesse für eine neue Qualität von Weiterbildung gestaltet werden können.
Meine anfangs eher koordinierende Tätigkeit hatte sich enorm erweitert. Hochschulintern kamen beratende und moderierende Aufgaben hinzu, ebenso waren gestalterische Ideen für lernwirksame Lernumgebungen sowie deren Inhalte gefragt. Außerhalb der Hochschule galt es, neue Zielgruppen zu gewinnen und Nachfrage wie Nischen am Weiterbildungsmarkt zu füllen. Das bedeutete, beständig neue Trends und Entwicklungen in Organisationen und Unternehmen aufzuspüren, um neue Wege für Weiterbildungen zu (er-)finden.
2. Worin besteht Ihre aktuelle Tätigkeit?
Als Leiterin der Weiterbildung der Pädagogischen Hochschule Heidelberg gestalte ich derzeit einen anspruchsvollen Wandlungsprozess. Ich überführe die gewachsenen Weiterbildungsstrukturen in eine neue Struktur und baue mit meinem Team eine Professional School auf. Hochschulen verstehen sich zunehmend als Orte für lebenslanges Lernen. Damit sie das sein können, bedarf es passender Strukturen und einer offenen Haltung. Das heißt, intern für die Bereitschaft zu werben, erweiterte Bildungsangebote zu entwickeln und Lernbeziehungen – auch mit grundständig Studierenden – anders zu gestalten. Es gilt, Augenhöhe zwischen Lernenden und Lehrenden herzustellen. Nach außen bedeutet die Öffnung, Weiterbildungen weiteren Zielgruppen zugänglich zu machen und schließlich auch die Zugangsweisen für Lernen und Veränderung durch neue Lernformate zu ermöglichen.
Das ist ein offener Prozess, in dem wir viel ausprobieren können, wollen und müssen. Es geht uns um eine Klärung darüber, was die Hochschule inhaltlich und methodisch bieten kann und will, um daraus entsprechende Offerten zu konzipieren, sei es als Masterstudiengänge, Zertifikatskurse oder maßgeschneiderte Inhouse-Module.
Gegenwärtig arbeiten wir an neuen Angeboten, die den Bedarf von Hochschulen für Beratungs-, Begleitungs- und Coaching-Aktivitäten bedienen. Die Hochschulreformen der letzten Jahre haben an den Hochschulen viel Bewegung geschaffen. Dabei ist eine neue, noch diffuse Berufsgruppe von Wissenschaftsmanagern entstanden. Dazu gehören Fakultätsgeschäftsführer, Referenten, Qualitätsbeauftragte u.v.a. Diesen jungen Leuten wollen wir passende Werkzeuge an die Hand geben.
3. Welche beruflichen Ziele haben Sie?
Inhaltlich möchte ich mit meinen Mitarbeitern und Kollegen an der Zusammenführung, einer Verschränkung von Theorie und Praxis arbeiten, so dass der von Lernenden stets empfundene Hiatus zwischen den beiden Perspektiven überwunden wird zugunsten eines professionelleren, eines begründeten Handelns. Dieses Vorhaben ist eine Herausforderung. Es gilt, die Sichtweise von zwei gegensätzlichen Polen zu überwinden und stattdessen eine Einheit zu sehen. Theorie und Praxis als Einheit befruchten sich wechselseitig und stützen sich. Diese Erungenschaft wäre als eine Art Qualitätsentwicklung professionellen Handelns zu sehen. Konkret versuche ich, die Prinzipien systemischen Handelns hier einzubringen.
Organisational unterstütze ich durch den Aufbau der Professional School die Pädagogische Hochschule, sich in eine Hochschule des lebensbegleitenden Lernens entwickeln zu können. Die neue Struktureinheit ist einerseits mit dem Grundgefüge der Hochschule durch die Personalentwicklung, verstanden als Bildungsarbeit nach innen, verbunden und andererseits agiert sie auf einem externen Markt. Dieser ist vielgestaltig von den Inhalten her, den zu fördernden Kompetenzen wie von den Zielgruppen. Diese Aufgabe ist ein Beitrag für die Zukunft der Hochschule.
4. Ihr gelungenstes Projekt?
Viele Projekte könnte ich als gelungen bezeichnen. Den Weiterbildungsbereich an der Pädagogischen Hochschule so auszubauen, dass der Transfer aus der Pionierphase in eine fortgeschrittene Differenzierungsphase gelungen ist, gehört zweifellos dazu. Der quartäre Bildungsbereich wandelt das Selbstverständnis von Hochschule. Wenn er sich etabliert, ermöglicht er der Hochschule als Forschungs- und Bildungsinstitution, wieder eine führende Rolle in der gesellschaftlichen Entwicklung einzunehmen. Trotz vielfältiger Hindernisse betrachte ich es als gelungen, an diesem Prozess an der eigenen Hochschule mitgewirkt zu haben.
5. Die größte Herausforderung für das Wissenschaftsmanagement?
Es wird darum gehen, Hochschulen von innen heraus so zu unterstützen, dass sie zu lebendigen Einheiten werden, sich öffnen können für andere Inhalte, Formate und Studierende, ihre wertvollen Wissensressourcen zu größeren Innovationen führen und für die Gesellschaft wichtiger Partner für und in der Zukunft werden.
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