Ist der Geist das eigentlich Menschliche?

Im Essener Cafe philosophique standen am Pfingstsonntag die Eigenheiten und Eigentümlichkeiten der menschlichen Existenz zur Debatte.

Die Grundidee des Cafe philosophique: Jeder Teilnehmer kann ein philosophisches Thema vorschlagen. Per demokratischem Mehrheitsbeschluss wird ausgewählt. Philosophische Fachkenntnisse werden nicht vorausgesetzt, Lust am Diskutieren und am Austausch von Argumenten hingegen schon.

Ist der Geist das eigentlich Menschliche? Die Frage der Themengeberin (Frau Hubert) rührt an philosophische Kernthemen – Gelegenheit zu einem Rundgang durch die Philosophiegeschichte von der Bibel bis zur Neurophilosophie, der Theory of Mind und zu tierethischen Fragen.

Was gehört zum Geist? In einer ersten Debatte nähert sich die Caferunde dem Begriff phänomenologisch. Will sagen: Wir versuchen nicht eine Wesensbestimmung, sondern suchen nach den Bedeutungsinhalten de Begriffs. Wut, Aufgebrachtheit, Begeisterung, Angst oder Schmerz machen demnach ebenso den menschlichen Geist aus wie Vernunft, die Fähigkeit zur vorausschauenden Planung und ein Bewusstsein seiner Selbst. Im Begriff des Geistes verbinden sich demnach Emotion und Intellekt. Auch metaphorische Anläufe zur Begriffsbestimmung gibt es: „Der Geist ist der Torwart der Seele“, meint  Herr Hartwig.

Zwar wird der Geist als etwas spezifisch Menschliches aufgefasst. Inwieweit daraus aber eine kategoriale Differenz zu den Tieren entsteht, bleibt offen. Einige Teilnehmer zählen neben Emotionalität und Vernunft die Spiritualität sowie das Unterscheidungsvermögen zwischen Richtig und Falsch, also die moralische Urteilskraft, zu den wesentlichen Facetten des Geistes. Hierin lauert allerdings eine Gefahr: „Geist“ zu vergegenständichen (zu substanzialisieren) und von seinem menschlichen Körper zu lösen.

Die Runde bemerkt, dass Tiere über viele Merkmale des menschlichen Geistes zumindest in Ansätzen verfügen. Dies scheint dafür zu sprechen, dass es kein kategoriale Differenz zwischen Mensch und Tier gebe. Herr Brandhorst argumentiert allerdings überzeugend, dass Quantität in Qualität umschlage, sobald der Geist eine Wirkmacht erzeuge, wie sie nur der Mensch besitze – etwa, mit Atomwaffen die eigene Existenz zu vernichten.

Was passiert, wenn der Geist schwindet, blieb als Frage stehen, die zu vertiefen sich lohnt. Denn die Gefahr einer geistigen Umnachtung im Alter droht vielen.

Abschließend Antworten gab es am Ende nicht. Das wäre auch zutiefst ‚unphilosophisch‘. Eines aber wurde klar: Wenn „Geist“ lediglich als eine Chiffre für die besonderen Eigenarten und Fähigkeiten des Menschen steht, dann wird die Frage „Ist der Geist das eigentlich Menschliche?“ zu „Ist der Mensch menschlich?“ und damit tautologisch. Ihre Antwort kann dann nur „Ja“ lauten.

Der Dank für eine engagierte Diskussion geht an die Damen und Herren Hubert, Krieger, Keukens, Pelzer, Lauschkin, Brandhorst, Ruppelt, Findeisen, Hartwig, Busse und Hinken. Gern kann der Gedankenaustausch elektronisch fortgesetzt werden. Die Kommentarfunktion ist offen.

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