Bahngeschichte X: Laternenparker bei der Bahn

An manchen Bahnhöfen sieht man sie noch: Ringlokschuppen mit Drehscheibe. Dort rostet die Weiche vor sich hin, sie wird sich nicht mehr drehen. Fenster sind eingeworfen, das Dach ist eingesunken. Nur wenige Schuppen haben ein neues Leben als Konzertsaal gefunden.

In den fächerförmig um eine Drehscheibe angeordneten Gebäuden wurden Dampflokomotiven gewartet. Deren Antrieb bedurfte viel mehr Pflege als die Elektromotoren von heute. Das Bild zeigt den Ringlokschuppen im Bahnbetriebswerk Frankfurt-Nied im Jahr 1939 – für den Lokschuppen war das eine bessere Zeit als heute, für alle anderen nicht. Aber das ist eine andere Geschichte. Heute stehen die Züge auf einfachen Abstellgleisen herum, wenn sie nicht im Einsatz sind. Die mühsame Arbeit des An- und Abkoppelns von Waggons und Lokomotiven gibt es im Personenverkehr der Deutschen Bahn praktisch nicht mehr.

Autofahrer und Gelegenheitsbahnfahrer schimpfen ja gern auf die Bahn. Sie sei zu teuer, zu unzuverlässig und zu unbequem. Dabei sind sich PKW und Zug zumindest im Parken gleich geworden. Die meisten Autos stehen wie die Züge unter freiem Himmel. Unter Mobilitätsexperten spricht man von „Laternenparkern“. Das sind Autofahrer, die ihren Wagen nicht in der eigenen Garage oder im Parkhaus abstellen, sondern am Straßenrand – eben unter der Laterne. In Großstädten ist das die Mehrzahl der Leute. Und die Deutsche Bahn gehört mit ihren Zügen dazu. Was die Parallele zu bedeuten hat, fragen Sie. Ich habe keine Ahnung. Aber in den Lokschuppen gehe ich für ein Konzert gerne.

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